1. EXXETA
  2. /
  3. Aktuelles

Regulatorische Herausforderungen für Banken – ein Interview

EXXETA unterstützt im Kapitalmarktbereich zahlreiche Banken bei der Umsetzung regulatorischer Initiativen - und das seit mehreren Jahren. Im Interview berichten Hans Joachim Lefeld und Nicky Heber über das aktuelle regulatorische Umfeld und zukünftige Herausforderungen für Banken. 

Die MiFID II und MiFIR Regulierung wird zu Beginn des nächsten Jahres von den Banken umgesetzt sein. Wie fällt das regulatorische Fazit aus?

Hans Joachim Lefeld: In den vergangenen acht Jahren haben wir eine Welle neuer regulatorischer Vorgaben für Finanzdienstleister gesehen. Regulatorische Initiativen wie EMIR, Dodd Frank und jetzt auch MiFID II und MiFIR haben deutliche Spuren in den Handels- und Abwicklungseinheiten von Banken hinterlassen. Das hat Banken viel Geld gekostet. Allerdings sind dadurch auch die Finanzmärkte und gerade der Handel mit OTC Produkten sicherer geworden. Von daher ziehe ich ein positives Fazit.

Heißt das, dass eine Krise, wie wir sie in 2007 erlebt haben, so nicht wiederkommt?

Lefeld: Man sollte niemals nie sagen. Wären Krisen vorhersehbar, dann würde es sie nicht geben. Wie schon erwähnt haben Maßnahmen wie das zentrale Clearing von OTC Derivaten zur enormen Stabilisierung der Märkte beigetragen. Zudem sehen wir insgesamt eine bessere Eigenkapitalausstattung von Banken als noch vor zehn Jahren. Daher wird eine derartige Krise in den kommenden zehn Jahren nicht auftreten. Das heißt aber nicht, dass sich die Regulierungsbehörden nun ausruhen können.

Sondern?

Lefeld: Was die OTC Derivatemärkte angeht, so werden nun die Bewertungen der meisten Produkte und das Risikomanagement durch CCPs zentral durchgeführt. Das gibt den Märkten Sicherheit, da sich die Teilnehmer auf gewisse Standards verlassen können. Andererseits werden damit auch Risiken im Markt gepoolt. Der Markt von beispielsweise CCPs ist wenig kompetitiv. Es gibt zwei, drei große Player in ganz Europa. Die Aufsicht ist also gefragt, die Märkte permanent zu beobachten und regulatorische Maßnahmen da zu treffen, wo Risiken eingedämmt werden müssen.

Kommen wir zurück zur aktuellen Situation. Viele Banken kämpfen auf der Zielgraden mit der Umsetzung von MiFID II und MiFIR. Wie sehen Sie den Fortschritt?

Nicky Heber: EXXETA unterstützt mehrere Banken in Deutschland bei der Implementierung. Von daher haben wir einen relativ guten Blick auf den aktuellen Stand einzelner Projekte. Insgesamt ist bei vielen Banken die Konzeptionsphase weitestgehend abgeschlossen. Anforderungen zu großen Themen wie Produkt Governance sind stabil und können von den Banken umgesetzt werden. Die Tücken liegen aber im Detail. Hier versuchen Banken teilweise durch stark manuelle Prozesse, Lösungen zu finden.

Die Banken versuchen also, über die Zielgrade zu kommen und an der ein oder anderen Stelle Kompromisse bei der Umsetzung zu machen?

Heber: De facto ist das so. Das geht aber auch nicht anders und ist aus unserer Sicht völlig normal. Allerdings gibt es hier einen Widerspruch zur fortschreitenden Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Die IT-Systeme großer Banken sind teilweise mehrere Jahre alt. Da bleibt es nicht aus, dass über eine Kosten-Nutzen-Analyse entschieden wird, einen Prozess lieber manuell zu gestalten. Hier muss dann in Zukunft nachgebessert werden. Daher werden die meisten MiFID II und MiFIR Projekte über den 3. Januar 2018 hinaus weiterlaufen.

Gibt es für die nächsten Jahre dann weitere regulatorische Initiativen, die die Banken beschäftigen? Oder ist nach den MiFID II und MiFIR Nacharbeiten Schluss?

Heber: Für die Kapitalmarktbereiche werden wir insgesamt weniger große regulatorische Initiativen sehen. Im Grunde wird es mittelfristig hauptsächlich um die Schließung von Regelungslücken und Nachbesserungen gehen. Das heißt aber nicht, dass sich die Banken nicht mehr mit Regulatorik beschäftigen müssen. Zum Beispiel wird die SFTR Regulierung alle Banken und große sowie kleine Asset Manager beschäftigen. Dabei geht es um die Regulierung von Wertpapierfinanzierungsgeschäften und deren Reporting an ein Trade Repository ab voraussichtlich Herbst 2018 für die ersten Institute. Das bedeutet wiederum Anpassungen an Handels- und Back-Office-Systemen, Schnittstellen und Prozessen in einem Bereich, der bisher wenig reguliert wurde. Des Weiteren müssen Banken die CSDR Regulierung beachten, bei der es unter anderem darum geht, dass Settlement Failures durch vorgegebene Strafen sanktioniert werden. Nicht zu vergessen ist die Verpflichtung von Initial Margin Zahlungen von nicht zentral geclearten OTC Derivaten, die die meisten mittelgroßen und kleinen Banken noch einführen müssen.

Wie müssen Banken mit diesen Anforderungen umgehen?

Heber: Im Grunde sind die Banken mittlerweile an die Umsetzung regulatorischer Vorgaben angepasst. Trotzdem sehen sich die Banken aus unserer Sicht neuen Herausforderung ausgesetzt: Zum einen müssen die oben genannten Vorgaben umgesetzt werden. Das bindet Ressourcen. Zum anderen müssen die in der Vergangenheit durch die Regulatorik geschaffenen Prozesse und Systeme optimiert werden. Eine Bank muss sich die Frage stellen, ob ihre IT-Architektur für das Reporting unter EMIR, Dodd Frank, MiFIR und SFTR sinnvoll aufgestellt ist. Gibt es einen oder mehrere Datentöpfe und, wenn letzteres, macht es nicht Sinn, diese zu konsolidieren. Die Banken müssen sich also dazu richtig aufstellen.

Was ist mit "richtig aufstellen" gemeint?

Heber: Banken müssen ihre Prozessoptimierung bzw. Digitalisierungsstrategie vorantreiben. Dazu gehört auch, die Prozesse und vor allem die IT-Architektur zukunftsorientiert auszurichten – und zwar besser heute als morgen. Gleichzeitig müssen die Banken die regulatorischen Vorgaben einhalten und weitere Maßnahmen umsetzen. Das ruft einen Konflikt hervor: Das Budget für die Regulatorik darf das Budget für die Optimierung nicht auffressen und vice versa. Daher müssen die Banken einerseits den Einfluss der zukünftigen Regulatorik frühzeitig einschätzen und in ihrer Umsetzung effizient sein, um andererseits freie Kapazitäten für die Optimierung zu haben.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Heber: Bleiben wir bei SFTR und dem Reporting von Securities Financing Transaktionen: Es bedarf bei fast allen Instituten eines eigenen Projektes. Anders wird dies nicht zu stemmen sein. Das Ergebnis des Projektes sollte jedoch nicht sein, dass einfach eine weitere Datenbank mit Transaktionsdaten implementiert wird. Vielmehr sollte die bestehende Infrastruktur für das EMIR und MiFIR Reporting bestmöglich genutzt werden. Gleichzeitig sollten Banken versuchen, ihre Reportingstrukturen zu optimieren, um effiziente Prozesse zu etablieren und Informationen aus den Daten extrahieren zu können, die nicht nur der Aufsicht, sondern auch dem Geschäft der Bank dienen.

Wie kann EXXETA die Banken dabei unterstützen?

Lefeld: Wir sind ein unabhängiges und mittelständisches Unternehmen, das inhabergeführt ist. Wir haben keinen Investor, keine Muttergesellschaft, die nur auf den Umsatz schauen. Natürlich sind uns Zahlen wichtig, aber wir haben uns dadurch eine gewisse Unabhängigkeit und Flexibilität gesichert. Im Bereich Financial Services haben wir in den vergangenen drei Jahren eine kleine Erfolgsgeschichte geschrieben und innerhalb kurzer Zeit ein Team von circa 20 Experten aufgebaut, die Banken und deren Kapitalmarkt- und Wertpapierbereiche bei der Implementierung von Regulatorik unterstützen. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir fortschreiben und die Teamgröße in den kommenden zwei Jahren verdoppeln. Daneben haben wir mit der LEXETA Rechtsanwaltsgesellschaft einen starken Partner, der juristisch beraten darf. Das stößt auf äußerst positive Resonanz bei unseren Kunden, denn sie bekommen fachlichen, technischen und juristischen Rat aus einer Hand – getreu unserem Leitgedanken "Wir verbinden Welten".

Ein Thema, das im Moment die Finanzwirtschaft beschäftigt, ist der Brexit. Wie relevant ist der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für die Banken?

Heber: Das Brexit-Thema ist ungemein spannend. Momentan wird viel darüber berichtet, wohin britische Banken ihren Hauptsitz verlegen. Was bisher wenig betrachtet wird ist die Frage, welche Auswirkungen der Brexit auf deutsche Geschäftsbanken hat. Das kann zum Beispiel das Clearing von Derivaten betreffen, das für das Euro-Geschäft vielleicht nicht mehr in London stattfinden wird. Das Thema reicht jedoch weiter und betrifft etwa auch die mögliche Legal Entity Struktur von Banken, die bisher über eine Filiale in Großbritannien operiert haben. Momentan sind die Folgen schwer abschätzbar, Banken müssen sich jedoch auf der strategischen Ebene damit beschäftigen.

Der regulatorische Weg geht dann wohl weiter. Vor dem Hintergrund müsste die Eingangsfrage vermutlich umformuliert werden: Wie kann ein regulatorisches Zwischenfazit lauten?

Lefeld: In der Tat gibt es zu vielen Fragen noch keine abschließenden Antworten. Regulatorik wird Banken im Kapitalmarktbereich weiter beschäftigen und darf bei aller Digitalisierungsstrategie nicht unterschätzt werden. Insbesondere entstehen mit neuen Technologien wie DLT beziehungsweise Blockchain auch neue Regulierungsfragen, die den Aufwand für die Regulatorik weiterhin hochhalten werden.

 

 

X